Gabi und Anton aus Waldkirchen

Gabi und Anton aus Waldkirchen

Zu Haus bei da Emerenz

„Jetzt ist die Zeit und Stunde da,
wo wir reisen nach Amerika.“
Auswandererlied

Im ersten Stock, direkt über den Gaststuben, befindet sich das Auswanderermuseum. Das Schicksal der Emerenz Meier und ihrer Familie bildet den Hintergrund für die Geschichte der großen Auswanderungswelle, die den Bayerischen Wald Ende des 19. Jahrhunderts erfasste. Das Geburtshaus der Dichterin ist der ideale Ort für ein Museum, das seine Besucher in die damalige Zeit und ihre Nöte eintauchen lässt.

Die Ausstellungsräume sind karg, aber stilvoll renoviert, Stuck-Decke, breite grobgehobelte alte Bodenbretter. Die Fenster sind klein, die Raumhöhe ist, wie es in den alten Waldlerhäusern üblich war, sehr niedrig.

Emerenz Meier ist natürlich die Hauptperson des Museums. In einem Raum werden ihre Familie und ihre Ehemänner vorgestellt. Im nächsten Zimmer begleitet man Emerenz entlang den Stationen ihres Lebens. Auf dem Holzboden ist ihr Weg von Wohnort zu Wohnort mit Nägeln markiert.

Aber nicht nur die Städte und Dörfer, in denen sie gelebt hat, lernen wir kennen. Auch ihrer Persönlichkeit kommen wir mit Hilfe von Zitaten, Handschriften, Filmen (Bayerische Rundfunk), und einem Audio-Guide nach und nach näher:

Sie war Wirtshauskind, von den Dorfbewohnern misstrauisch beäugter Freigeist, hoffnungsvolle Nachwuchsliteratin, Heimatdichterin, Theaterautorin, selbstbewusste Feministin, Rebellin, sozialkritische Autorin, Kommunistin, trinkfeste, umworbene Wirtin und Ansichtskartenmotiv.

Man kann erahnen, dass sie mit ihren Talenten und ihrer Einstellung weder im Bayerischen Wald noch in Chicago ein leichtes Leben führen konnte und in ihrer Zeit eine Ausnahmeerscheinung war.

Nachdem fast ihre ganze Familie nach und nach ausgewandert war, folgte sie ihren Eltern und Geschwistern nach Amerika. Ein Schicksal, das sie in diesen Jahren mit vielen Waldlern teilte.

Diese Zeit der großen Auswanderung wird in der Ausstellung lebendig: Ganze Dörfer verschwinden. In Waldkirchner Geschäften kann man Schiffspassagen von Bremerhaven nach New York kaufen. Unmenschliche Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft, Gerüchte über paradiesische Zustände in den USA, Hungerzeiten hierzulande, setzten einen Strom von – heute würde man sagen –„Wirtschaftsflüchtlingen“ in Gang.

Der Kulturschock und das Gefühl der Fremdheit, die in der Neuen Welt über die Auswanderer hereinbrechen, sind besonders sinnlich erfahrbar dargestellt: Über eine Schiffsgangway betritt man einen finsteren Raum. Musikfetzen und eine schrille Collage aus Orginalfilmen spülen den Besucher ins pulsierende Chicago der damaligen Zeit.

Wie stark die Eindrücke auf die Museumsbesucher sind, spiegelt sich in den Kommentaren im Gästebuch. Ein Satz eines Besuchers aus „good old Europe“ der wohlgemerkt mit einem Fragezeichen versehen war, ist uns besonders in Erinnerung geblieben.

America first ?

Wir wollen auch nicht versäumen an dieser Stelle nochmal zu erwähnen, dass man vor oder nach dem Museumsbesuch wunderbar satt werden kann. Hierzu sei auch unser Insider-Tipp zum Wirtshaus empfohlen.

Fazit und Empfehlung

Die sehr professionell gestaltete Ausstellung wird ausschließlich von freiwilligen Helfern betreut und betrieben. Dafür unsere große Anerkennung.

Wir möchten ihnen den Besuch des Emerenz-Meier -Hauses sehr ans Herz legen. Nehmen sie sich etwas Zeit, und sie erleben ein Schmuckstück und Highlight von Waldkirchen.

Im Anschluss haben wir noch einige interessante Links für sie zusammengestellt, aus denen sie geplante Veranstaltungen und Öffnungszeiten von Wirtshaus und Museum ersehen können.

Für neugierig Gewordene finden sich auch einige Infos zu den Themen Emerenz Meier und Auswanderung in den Seiten.

Born in Schiefweg Homepage Museum
Homepage Emerenz Meier Haus
http://born-in-schiefweg.de/

Ein Leben fern der Heimat Süddeutsche
https://www.sueddeutsche.de/kultur/sz-serie-ganz-persoenlich-folge-6-ein-leben-fern-der-heimat-1.4566961

Bayrischer Rundfunk Podcast
Emerenz Meier Mein Wald mein Leben
https://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-1527226.html

Bayrischer Rundfunk Out of Bavaria
Vom harten Leben der Bayerwalddichterin

Emerenz Meier im gelobten Land Amerika.
https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/bayerisches-feuilleton/emerenz-meier-in-amerika-100.html

Wikipedia Eintrag Emerenz Meier
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Emerenz_Meier

Urlaub in Waldkirchen – Das Emerenz Meier Haus
https://urlaub-in-waldkirchen.de/kunst-und-kultur-uebersicht/emerenz-meier-haus/

Hier gehts zu den Insider Lieblingsplätzen:

Museum zur Emerenz

Unsere Tippgeber

Gabi und Anton

Gabi ist eine zugereiste „Europäerin“, verwurzelt in Baden, Spanien und Italien. Der bayerische Wald ist seit über 20 Jahren ihre neue Wahlheimat. Anton, ein gebürtiger Waldler, der in Waldkirchen bis zu seinem Ruhestand eine Bäckerei mitten am Marktplatz betrieben hat, kennt unsere Gegend wie seine Westentasche.  Gemeinsam genießen sie es, sich kulturell und kulinarisch überraschen zu lassen und schauen dabei gerne über den Tellerrand.

© Alle Inhalte dieses Insidertipps, insbesondere Texte, Fotografien, Grafiken und Videos, sind urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei Gabi und Anton. Für die Veröffentlichung der Inhalte auf der Website www.meinwaldkirchen.de wurde vom Urheber ein Nutzungsrecht erteilt.

INSIDERTIPPS

Atelierbesuch bei Petronilla HohenwARTer

SANDRA HOHENWARTER Was ist Kunst? Wie entsteht Kunst eigentlich? Was macht Kunst aus?

Lieblingsbankerl an der Berndl Kapelle

SABINE JAHN Mein Lieblingsbankerl steht vor der Berndl Kapelle in Wollaberg.

Waldkonzert – ein Flügel steht im Walde

CHRISTINE WINDPASSINGER Einmal im Jahr kann man in Waldkirchen ein musikalisches Sommermärchen im Wald erleben – auf seine natürlichste Art und Weise.

Auf dem Rad zum Osterbach

SABINE JAHN "Meine Mutter hat mir schon häufig erzählt, dass sie als Kind mit ihrem Rad an den "Osterbach" zum Baden fuhr.

Das Kulturhaus HNKKJ– ausgesprochen außergewöhnlich

FRANK PETERS Als Münchener bin ich kulturell verwöhnt, das kann ich durchaus so sagen. An jeder Ecke werden kulturelle Highlights angeboten...

Mit dem Rücken zum Wald

HEDY KUNZE Es ist diese Bank mit Blick auf Waldkirchen, die mich einlädt, Platz zu nehmen und meinen Blick so über Waldkirchen streifen zu lassen.

„Secret City“ Waldkirchen

HEDY KUNZE Es ist diese Bank mit Blick auf Waldkirchen, die mich einlädt, Platz zu nehmen und meinen Blick so über Waldkirchen streifen zu lassen.

Dank der Kapellen – auf die sanfte Tour.

ANDREAS GRÜNDINGER Was entschleunigt in der heutigen Zeit – im Zeitalter des Social Media – wohl besser als einmal bei einer Kapelle stehenzubleiben

Die Poesie hinter den Kulissen

HEDY KUNZE Das Bankerl hinter der am Karoli zeigt mir, dass es oft lohnt hinter die Kulissen zu blicken.