Karin Mertl, Redakteurin der Waldumschau

Karin Mertl, Redakteurin der Waldumschau

Kraftort Karolikapelle

Altehrwürdig, idyllisch gelegen und wertgeschätzt – die Karolikapelle ist ein kleines Juwel an einem besonderen Ort, der Einheimische und Gäste zu jeder Jahreszeit anzieht. Die Kapelle steht auf dem 662 Meter hohen Karoliberg. Auf der einen Seite liegt ihr die Stadt zu Füßen, auf der anderen Seite das Naturschutzgebiet Saußbachklamm.

Die Kirche ist ein beliebter Ort, um Andachten oder auch Hochzeiten zu feiern. Und auch bei Brauchtumsveranstaltungen spielt sie eine traditionelle Rolle im Jahreskreis. Am Ostermontag treffen sich die Männer stets frühmorgens an der Stadtpfarrkirche zum „Emmausgang“, der sie hinauf zur Karolikapelle führt. Ein Bild, das an einem Baum vor dem Eingang angebracht ist, bezeugt die jährliche Pilgerwanderung. Auch beim „Friedensbittgang“ der Frauen am Pfingstmontag ist die Kapelle das Ziel. Und schließlich findet auch die Pferdesegnung im Rahmen des „Leonhardi-Ritts“ Anfang November im Umfeld des kleinen Gotteshauses statt.

Die Kapelle zieht aber nicht nur Menschen in ihrer Sehnsucht nach Spiritualität an, sondern auch Wanderer, Naturliebhaber und Kunstfreunde. Der idyllisch gelegene Platz inmitten der uralten Lindenbäume, deren Allee als Naturdenkmal unter Schutz steht, wird allgemein als Ruheort, als Kraftort empfunden.

Am unteren Ende der Lindenallee begrenzt ein gläsernes Werk mit dem Namen „Kristall zwischen Himmel und Erde“ das gesamte Ensemble rund um die Karolikapelle. Diese Installation aus unterschiedlich großen, verschieden blauen Glassteinen wurde anlässlich der Gartenschau 2007 errichtet.

Die Kapelle ist aus allen Himmelsrichtungen zu Fuß erreichbar. Der kürzeste Weg führt vom Parkplatz des Karoli-Badeparks in nur wenigen Minuten hinauf zum Kirchlein. Wer Zeit für eine längere Wanderung hat, kann auch vom Stadtpark an der Jahnstraße aus über den Gartenschau-Rundweg auf den Karoli spazieren oder die Tour durch die Saußbachklamm mit einem Besuch bei der Karolikapelle abrunden.

Der Name Karoli geht übrigens auf den heiligen Karl Borromäus zurück, der von 1538 bis 1584 gelebt hat. Er war Bischof und Kardinal von Mailand. Als in Oberitalien die Pest wütete, setzte er sich mit Leidenschaft für die Pestkranken ein. Das Bild im Hochaltar, das Hauptbild im Fresko des Kirchenschiffes, erinnert an dieses karitative Wirken. Im 17. Jahrhundert waren einige italienische Handlungsreisende in Waldkirchen, unter ihnen auch der Ratsbürger und Geschäftsmann Bernhard Linus, der den Kardinal Karl Borromäus sehr verehrte. Er stiftete um 1655 zu Ehren des Kardinals die „Karoli-Kapelle“. 1756 veranlasste Dekan Antonius Loraghi einen größeren Umbau des Kirchleins. Sie wurde erweitert, ausgemalt und mit einem neuen Altar im Stil des Rokoko ausgestattet. Das Deckenfresko im Presbyterium stellt das alte Waldkirchen um ca. 1750 dar. Nach den Marktbränden von 1782 und 1862 diente die Karolikapelle zeitweise als Notkirche der Pfarrei. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges drohte das Gebäude zu verfallen. Einige Waldkirchner nahmen sich jedoch des Kirchleins an und setzten es wieder in Stand. Von 1969 bis 1975 wurde die Kapelle dann innen und außen komplett renoviert.

Noch ein Tipp: Wer von der Karolikapelle aus nicht in Richtung Karolibad, sondern in die entgegengesetzte Richtung geht, am Waldrand entlang, und dann links abbiegt, kommt nach etwa zehn Minuten an ein weiteres Kirchlein, das gut zwischen den Bäumen verborgen ist: die Zwieselholzkapelle aus dem Jahr 1830, ein weiteres Kleinod.

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